Tag der Bustouristik

- Forum für die Diskussion aktueller und brisantere Fragen der Bus- und Gruppentouristik
- Erfahrungsaustausch der Busunternehmer und deren Vertragspartner
- Branchen Kick-off in das neue Touristikjahr!
- Seit 35 Jahren Innovation
- Offene Pro & Contra Diskussion an spannenden Tagungslocations


Der nächste Tag der Bustouristik findet am 8. Januar 2018 in Saarbrücken statt.


10.01.2017

Rückblick - Tagungsbericht:

Der 35. „Tag der Bustouristik“ am 09. Januar 2017 in Bremen:

Märkte im Umbruch: Einreihen oder Überholen?

Herausforderungen und Chancen

Im GOP Varieté-Theater in Bremen fand am 9. Januar 2017 der 35. Tag der Bustouristik statt. Die 260 Fachbesucher wurden über die rasanten Veränderungen der Rahmenbedingungen und die neuen Entwicklungen in der Bus- und Gruppentouristik informiert. Beim Get-together am Vorabend der Tagung konnten sich die Teilnehmer bei Kohl und Pinkel ein erstes Bild von der Authentizität der Überseestadt machen.

„Bremen und Bremerhaven zeigen deutlich, dass sie ihr Licht nicht mehr unter den Scheffel stellen wollen.“ So erörterte Peter Siemering, Geschäftsführer Bremer Touristikzentrale und Vizepräsident des Deutschen Tourismusverbandes DTV, in seinem Grußwort die zahlreichen attraktiven Angebote von Bremen und Bremerhaven für die Bus- und Gruppentouristik. Dies demonstriert auch der neue Imagefilm „Our story is made of Stars.“

Nach der Begrüßung von Peter Siemering folgte die Eröffnung durch Heinrich Marti, RDA-Vizepräsident, der zunächst die zahlreichen nationalen und internationalen Fachleute der Bus- und Gruppentouristik begrüßte.

Zunächst beleuchtete er die wichtigsten Innovationen der RDA Messen. „Wir wollen die Attraktivität des RDA und der RDA Messen steigern.“ Marti führte aus, dass nachdem 2016 mit Friedrichshafen die RDA Messen einen zusätzlichen Standort bekamen und die Modernisierung des Mutterstandorts Köln forciert wurde, dieser erfolgreichen Entwicklung 2017 mit einem neuen Namen Rechnung getragen werde. Zukünftig wird die führende Messe der Bustoristik und Gruppentouristik unter der Bezeichnung „RDA Group Travel Expo“ vermarktet werden. Gleichzeitig gehe man konsequent den Weg der Internationalisierung weiter. „Wir müssen berücksichtigen, dass die Markteilnehmer insgesamt weniger werden, das Marktvolumen aber weiter steigt. Die Kontakte […]sind also insgesamt werthaltiger.“

Desweiteren zeigte er sich überzeugt, dass der RDA mit seinem Krisenmanagement und verbandlichen Beratungsleistungen sowie Konzepten wie „bus.de“ der Branche in dieser Umbruchsituation Lösungen anbieten kann.

Die RDA-Workshop Touristik-Service GmbH stellt sich aber auch personell neu auf: Deren Geschäftsführung hat am 1. Januar 2017 Benedikt Esser, RDA-Vizepräsident und Geschäftsführer der Busunion in Hürth bei Köln, von Dieter Gauf übernommen. RDA-Hauptgeschäftsführer Gauf wird sich nun wieder auf seine Verbandsaufgaben fokussieren. Marti bedankte sich ausdrücklich bei RDA-Hauptgeschäftsführer Dieter Gauf „für den erfolgreichen der Umbau der RDA Messen.“

Als Veranstalter von 35 Tagen der Bustouristik führte Dieter Gauf anschließend in die Probleme aber auch Chancen der Branche ein. Die Busreiseveranstalter waren schon immer Pioniere bei der Entdeckung von Destinationen und Routen. Zudem haben sie mit Rundreisen von Anfang an zur touristischen Erschließung vieler Zielgebiete abseits der Ballungszentren des Massentourismus beigetragen. Gauf riet dazu, sich dieser Fähigkeiten zu besinnen und sie für die Planung und Durchführung von Reisen in exotische Ziele anzuwenden.

Norbert Fiebig, Präsident des Deutschen Reiseverbandes, befasste sich in seinem Keynote-Statement mit den Auswirkungen von Krisen und veränderten Rahmenbedingungen auf die Tourismuswirtschaft. „Wir werden uns in den nächsten Jahren auf Krise und Terror einstellen müssen“, so seine nüchterne Prognose. Er appellierte aber auch an die Branchenkollegen, vom Terror betroffene Länder nicht abzuschreiben. „Türkei, Ägypten und Tunesien benötigen unsere Hilfe, um wirtschaftlich wieder nach vorn zu kommen. Fremdenfeindlichkeit schadet aber auch dem Tourismus in Deutschland.“

Er beklagte vor allem den mangelnden Beistand der Politik, so z.B. bei der Pauschalreiserichtlinie: „Unterstützung für die Branche sieht anders aus. Tourismus muss in der Politik insgesamt als Wirtschaftsfaktor stärker wahrgenommen werden.“ Dass die Schwarztouristik bei der Pauschalreiserichtlinie weiterhin ungeschoren davon komme, bedauerte Fiebig. Ein weiteres Ärgernis sei zudem die Gewerbesteuerliche Hinzurechnung. Zudem musste auch der organisierte Reisemarkt Federn lassen. Vermehrt hätten die Deutschen direkt bei Veranstaltern und Portalen gebucht und nicht über das Reisebüro. „Das Kundenverhalten ist nicht statisch“, so Fiebig. Der Mehrwert einer Veranstalterreise für die Reisenden müsse deutlicher dargelegt werden.

Der Geschäftsführer der FlixBus DACH GmbH, Fabian Stenger, schilderte den Weg des Startups zur Nummer eins im Fernlinienbusgeschäft – und die Erfahrungen beim Einstieg in das Mietomnibusgeschäft. Die Kompetenzen des ursprünglichen Teams lagen ganz eindeutig im Marketing, im Vertrieb, sowie in der Streckenplanung. Das seien auch heute noch die Kernkompetenzen von FlixBus mit nun über 1.000 Mitarbeitern.

Heute hat FlixBus durch Zukäufe und Konsolidierung des Marktes einen Marktanteil von über 90 Prozent in Deutschland und ist europaweit aktiv. Dadurch hat FlixBus auch starke Buspartner und ein Team, das extrem nahe am Kunden sei. Somit kann im Gegensatz zu Großkonzernen flexibel reagiert werden und „das beste Angebot am Markt“ aufgebaut werden. „Dazu gehört definitiv Vertrauen in die eigene Idee und der Mut diese dann auch konsequent umzusetzen. Hier ist unser wichtigster Erfolgsfaktor der richtige Partner, der nicht nur die gleiche Motivation mitbringt, sondern dieses Vertrauen und die Einstellung teilt“, begründet Stenger die Erfolgsfaktoren von FlixBus. Das wichtigste sei aber nach wie vor die Technologieplattform.

FlixBus möchte den Fernlinienbus weiter als Alternative für den Städtetourismus, Mietomnibus- und Vereinsfahrten hervorheben, also Kerngeschäftsfeldern der Busunternehmer bearbeiten. Stenger sieht diese Entwicklung von „FlixBus mieten“ positiv und betont die Chancen für die Bustouristik allgemein: „Durch eine junge, sehr bekannte Fernbus-Marke und mittlerweile internationale Plattform erschließen wir dem Buschartergeschäft neue Zielgruppen. Plötzlich denken Kunden über den Gruppenausflug per Charterbus nach, die diese Alternative vorher überhaupt nicht auf dem Zettel hatten. Dieser zusätzlichen Nachfrage können wir jetzt über die Online-Plattform das entsprechende Angebot liefern.“

Nach anfänglicher Skepsis sei die Rückmeldung der Busunternehmer deshalb auch mittlerweile positiv, da der Großteil der vermittelten Fahrten durch die Buspartner erbracht werde. Stenger: „Findet unser Engagement jeder in der Branche grundsätzlich gut? Vielleicht nicht. Aber wir sind unseren Mittelstandspartnern verpflichtet, nicht jedem.“ Stenger rät den Busunternehmern, offen für Neues zu sein und mit Unternehmergeist Chancen zu erkennen. „Es bringt sicher nichts, sich einer neuen Entwicklung grundsätzlich zu verschließen. Letztendlich muss aber jeder Unternehmer für sich selbst entscheiden, inwiefern er diese mitgeht“, so Stenger.

Das nächste Expert-Statement „Beziehungskiste im Fernbuszeitalter – Bus sucht Gruppe für gemeinsame Unternehmungen“ von Klaus Eikmeier, Vorsitzender Reisenetz e.V., Deutscher Fachverband für Jugendreisen befasste sich u.a. mit der reiseaktivsten Altersgruppe, der Kinder- und Jugendlichen zwischen 3 und 26 Jahren, denn diese führen jedes Jahr über 60 Millionen Mehrtagesreisen durch. Es werden dabei nur solche Reisen gezählt, die ohne Begleitung der eigenen Eltern oder Großeltern stattfinden. Bei den Tagesausflügen liegen Zahlen nur für die Gruppe der 14- bis 26-Jährigen vor. Sie unternehmen jährlich 482 Millionen Tagesfahrten. Eikmeier geht davon aus, dass auch die Fernbuslinien zu einem beachtlichen Prozentsatz von den individuellen Urlaubs- und Fernreisen profitieren werden.

„Bei den Schulfahrten und Uni-Exkursionen klemmt es aber, da hätte ich eine höhere Akzeptanz für die Fernbuslinien erwartet. Die Zurückhaltung ist erklärbar: Wenn der Fernbus die Alternative zu Flug oder Bahn sein soll, stehen überfüllte Straßen, der Zeitaufwand, bzw. die Reiseentfernung dagegen. Wenn es um Fernlinien- oder Mietomnibus geht, ermöglicht der Mietomnibus den individuelleren Reiseverlauf, die Nutzung am Zielort und das Gruppenerlebnis an Bord. Im Regelfall punktet der Mietomnibus bei größeren Gruppen auch mit günstigeren Preisen. Potenzial sehe ich bei Kleingruppen.“, erklärte Eikmeier.

Allen anwesenden Busunternehmern riet er, mit einer Charme- und Qualitätsoffensive und klaren Botschaften für das eigene Unternehmen zu werben und vor allem die Busfahrer für die Belange der jeweiligen Zielgruppen zu sensibilisieren.

In der anschließenden Pause überraschte das GOP Theater die Besucher mit einer akrobatischen, künstlerischen Varieté-Darbietung, die auf das aktuelle Programm des GOP Varieté Theaters Bremen aufmerksam machte.

Als Rechtsexperte erläuterte Prof. Dr. Harald in seinem anschließenden Expert-Statement nach der Pause wie teuer die Umsetzung der EU-Pauschalreiserichtlinie in deutsches Recht für die Branche werden könnte. Eine Schätzung beziffert die Kosten der Zusatzbelastung allein für die RDA-Mitglieder auf rund 60 Millionen Euro, ohne eine, für den Verbraucher relevante Zunahme des Verbraucherschutzes. Vor allem unberechtigte Ausnahmen für gelegentliche Anbieter – also Schwarztouristiker – ohne Sicherungsschein weiterhin Reisen verkaufen zu dürfen, sei ein Unding, so Bartl.

Eine EU-Pauschalreiserichtlinie sollte im Einklang sein mit dem Subsidiaritätsprinzip, dem Grundsatz der Verhältnismäßigkeit folgen und dem Grundsatz der Eignung der Maßnahme für das jeweilige Ziel. Von diesen Ansprüchen sind für Prof. Bartl keine gegeben. Allerdings hat er wenig Hoffnung, dass sich daran noch etwas ändern könnte: „Denn nur die Bundesregierung hätte vor dem EuGH gegen die Verfehlung des Subsidiaritätsprinzips klagen können. Hat sie aber nicht.“

Verbänden wie DRV, RDA und weiteren ist es zu verdanken, dass im nun gültigen Regierungsentwurf noch einige Änderungen zum Referentenentwurf vorgenommen wurden. Prof. Bartl geht davon aus, dass „das Ende der Fahnenstange im Verbraucherschutz noch nicht erreicht ist. Denn die EU sieht im Verbraucher nicht den umsichtigen, kritisch prüfenden Menschen, sondern eine Art „Hans im Glück“, dem ständig geholfen werden muss."

Sind Familienbetriebe ein Auslaufmodell und verdrängen Konzerne, Venture Capital, bürokratische Hürden, die mittelständischen Bustouristikunternehmen? Dieser Frage ging RDA-Vizepräsident Benedikt Esser in seinem Expert-Statement auf den Grund und gab die direkte Antwort: „Ja“, so Esser und er beklagte auch die zu geringen Margen im Mittelstand. Er verwies aber auch auf die RDA eigene Anmietplattform „bus.de“ die nun realisiert wurde und künftig den Mitgliedern zu mehr Geschäft und Umsatz verhelfen soll.

Esser möchte eine Aufbruchsstimmung entfachen z. B. für gemeinsame Maßnahmen der Branche zur Abwehr der Folgen der Gewerbesteuerlichen Hinzurechnung. „Denn dieses Damoklesschwert hängt scharf und schwer über der Branche.“ Esser weiter: „Das ist de facto eine Urlaubssteuer und schadet dem deutschen Urlauber wenn er bei einem heimischen Veranstalter bucht.“ Er forderte die Teilnehmer auf, eine Kampagne des RDA gegen diese Urlaubssteuer zu unterstützen und dankte dem DRV für die gute Zusammenarbeit zu dem Thema.

Desweiteren kündigte Esser in diesem Jahr die Erstellung einer Wissensdatenbank für Mitglieder an. „Der RDA fördert kleine und mittlere Unternehmen durch Wissen, Berater und Seminare aber auch mit den RDA Group Travel Expos. Der RDA unterstützt Familienunternehmen nachhaltig, damit sie weiterhin eine Erfolgsstory schreiben können“, so seine Überzeugung.

Johannes Hübner, Leiter des RDA-Krisenmanagement RBI, der die Podiumsdiskussion moderierte, schloss den Kreis zu den eingangs geschilderten Krisen und Sachverhalten in der auch kritische Fragen des Plenums bspw. zu den Fahrgastrechten, behandelt wurden.

Dieter Gauf bedankte sich abschließend beim Gastgeber, der Bremer Touristik-Zentrale und dem GOP Varieté-Theater Bremen für die Unterstützung insbesondere bei Peter Krüger, Leiter Touristik- und Unternehmens-Service, für die professionelle Betreuung, stellvertretend für das gesamte engagierte Team der Bremer Touristik-Zentrale.

Der nächste Tag der Bustouristik findet am 8. Januar 2018 in Saarbrücken statt.

Der Tag der Bustouristik fand auch eine breite Resonanz in den nationalen Leitmedien wie Focus, Süddeutsche Zeitung oder Bild Zeitung die titelte: „Verband: Fernbusse bringen Imagegewinn - aber Warnung vor Maut“. Zudem berichtete Sat1 in der Sendung 17:30 Uhr über diesen Branchen Kick-off in Bremen.

Weitere Berichte über den 35. Tag der Bustouristik finden Sie u.a. hier:

http://www.rda.de/news-presse/nachrichten/detail-topnachricht-bustourismus/article/tag-der-bustouristik-in-bremen-experten-diskutierten-handlungsbedarf//2.html

http://www.focus.de/finanzen/news/wirtschaftsticker/verband-fernbusse-bringen-imagegewinn-aber-warnung-vor-maut_id_6466375.html

http://www.bild.de/geld/aktuelles/wirtschaft/verbandfernbusse-bringen-imagegewinn--aber-49665978.bild.html